Auf dieser Seite versorgen wir Sie mit Wissenswertem rund um Ihr Tier. 

Die Informationsblätter werden wir regelmäßig austauschen, so dass Ihnen stets wieder neue Informationen zur Verfügung stehen werden.

 

In unserem Archiv können Sie unsere auf der Seite "Rund ums Tier" durch neue Informationen  ersetzte Inhalte auch weiterhin anschauen.

 

Kastrationen und ihre Risiken

 

 

Eine Kastration ist ein erheblicher und auch mit Risiken für das Tier verbundener operativer Eingriff, der nicht leichtfertig sondern nur bei Vorliegen einer medizinischen Indikation vorgenommen werden darf.

 

Wie bei jedem operativen Eingriff in Vollnarkose besteht ein abhängig vom jeweiligen Gesundheitszustand des Tieres mehr oder weniger hohes Narkoserisiko.

Im Nachgang der Operation kann es, v.a. wenn das Tier sich an der OP-Naht lecken oder scheuern kann, auch zu Wundinfektionen kommen, die dann eine intensive medizinische Behandlung erforderlich machen.

 

Vor der Entscheidung zur OP muss also sorgfältig abgewogen werden, ob diese Maßnahme für das Tier wirklich geeignet und erforderlich ist.

 

Beim Rüden werden sehr oft Verhaltensprobleme wie z.B. Aggressionsverhalten und Dominanz zum Anlass für die OP genommen, jedoch zeigen Untersuchungen, dass nur in 50 % dieser Fälle nach der Kastration eine Änderung dieses unerwünschten Verhaltens erreicht wird.

Bei der Hündin kann die Art der Verhaltensänderung nach einer Kastration gar nicht vorausgesagt werden. Möglich ist auch eine Verschlechterung des Verhaltens.

 

Bei Hündinnen soll mit einer Kastration einerseits die Läufigkeit ausgeschaltet werden, andererseits späteren möglichen Gebärmutter- oder Eierstockserkrankungen sowie Tumoren des Genitaltraktes vorgebeugt werden. Mittlerweile gibt es jedoch auch Studien, dass eine Kastration und auch das Alter der Hündin zum Zeitpunkt der Kastration das Risiko der Entstehung von Gesäugetumoren nicht so stark vermindert wie bisher angenommen.

 

Folgende Nebenwirkungen einer Kastration, welche häufig auch erst nach mehreren Jahren auftreten können, sind jedoch mittlerweile beschrieben worden:

Besonders bei frühkastrierten Hündinnen und schweren Rassen sowie bei Boxer, Rottweiler oder Dobermann tritt in bis zu 21 % der Fälle später eine Blaseninkontinenz auf.

Ebenso kann sich insbesondere bei früh kastrierten Hündinnnen eine Scheidenatrophie mit schmerzhaften entzündlichen Veränderungen entwickeln, wobei bei älteren Hündinnen nach einer Kastration auch das Auftreten von gutartigen Tumoren an Scheide und Vagina beschrieben werden.

 

Das Risiko, an Prostatakarzinomen zu erkranken, wird beim Rüden durch eine Kastration nicht vermindert, im Gegenteil steigt hierdurch das Risiko für die selteneren Übergangszellkarzinome sogar an.

 

Auch auf weitere Organsysteme, wie das Skelett- und Gefäßsystem, die Haut, das Haarkleid den Stoffwechsel, das Immunsystem und das Verhalten des Tieres kann sich eine Kastration nachteilig auswirken:

 

Da Sexualhormone eine bedeutende Rolle im Skelettsystem spielen, steigt nach einer Kastration das Risiko für eine Hüftgelenksdysplasie sowie Patellaluxationen und Kreuzbandrissen (bei Rüden sogar stärker als bei Hündinnen) an.

 

Das Risiko, später an einem malignen Osteosarkom zu erkranken, ist nach einer Kastration erhöht, so bei frühkastrierten Rüden um das 4-fache, bei früh kastrierten Hündinnen um das 3-fache.

In geringerem Ausmaß trifft dies auch auf einige Hauttumoren zu.

 

Aufgrund des veränderten Stoffwechsels infolge der Kastration können Gewichtszunahmen auftreten, zudem ist auch ein erhöhtes Diabetes mellitus-Risiko für kastrierte Hündinnnen und Kater sowie möglicherweise auch ein gestiegenes Risiko hinsichtlich einer Schilddrüsenunterfunktion beschrieben.

 

Kastrierte Hündinnnen haben ein erhöhtes Risiko für verschiedenste Autoimmunerkrankungen, wie z.B. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (IBD), Lupus erythematosus, Hypothyreoidismus, autoimmune hämolytische Anämie, atopische Dermatitis u.a.

 

Die Entscheidung, ob das Tier wirklich kastriert werden soll, sollte also sorgfältig abgewogen werden, denn letztendlich soll der für das Tier zweifelsohne belastende chirurgische Eingriff ja zu einer Besserung des Befindens beitragen.

 

Quelle: Sonderheft von Der Praktische Tierarzt, 2020 „Frühlingsgefühle adé? - Das A und O: aufklären und individuell entscheiden“ , 2020